Geschichte
Die Emanzipationsbewegungen des 19. Jahrhunderts, vor allem die der Frauen, Arbeiter und Jugend, können als Vorläufer von Selbsthilfegruppen betrachtet werden. Seit den 1950er Jahren entwickelte sich die gemeinschaftliche Selbsthilfe zu einer wichtigen Ergänzung der gesundheitlichen Versorgung in Deutschland. Selbsthilfe ist dort entstanden, wo Menschen ihre Notlagen aus eigener Kraft meistern wollten. In den 1980er Jahren erlebte die Selbsthilfe einen enormen Aufschwung. Die Mitglieder unterstützen sich gegenseitig, um die stetig wachsenden Anforderungen im täglichen Leben zu bewältigen. Die gemeinschaftliche Selbsthilfe ist zu einem festen Bestandteil in der gesundheitlichen Versorgung in Deutschland geworden.
Warum Selbsthilfe?
Eine Selbsthilfegruppe definiert sich als ein Zusammenschluss von Menschen, die sich außerhalb ihres üblichen sozialen Umfelds (z. B. Familie oder Freundes-kreis) befinden und die gleiche Herausforderung teilen. Die betroffenen Personen treffen sich regelmäßig, um sich gegenseitig zu unterstützen. Diese wiederkehrenden Gruppentreffen dienen dem Informationsaustausch, der gegen-seitigen Hilfestellung und der Durch-führung gemeinschaftlicher Aktivitäten. Im Fokus steht das vertrauensvolle und offene Gespräch. In der Selbsthilfegruppe wird das Selbstvertrauen gestärkt. Selbsthilfe ist ein essentieller Bestandteil des Hilfesystems der Suchtkrankenhilfe. Sie basiert auf der Freiwilligkeit ihrer Mitglieder und wirkt unabhängig von Zuweisung oder Kontrolle, ergänzt jedoch professionelle Hilfen. Das Fundament bildet das offene Gespräch in der Gruppe. Durch den Austausch mit anderen Betroffenen erlernen die Mitglieder der Selbsthilfegruppe, ihren Alltag ohne Suchtmittel zu bewältigen und an den zugrunde liegenden Problemen zu arbeiten. Der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe minimiert das Risiko eines Rückfalls und steigert die Chance auf eine anhaltende Stabilität.
Kriterien einer Selbsthilfegruppe
In einer Selbsthilfegruppe treffen sich Betroffene, die die Erfahrung der Alkoholabhängigkeit teilen. In dieser Umgebung sind Sie vor Vorurteilen geschützt und können auf Verständnis und Unterstützung zählen. Wenn es Ihnen gelingt, die anfängliche Hemmschwelle zu überwinden, haben Sie bereits einen bedeutenden Schritt in Richtung Genesung getan. Dieses Wissen und Verständnis teilen die Mitglieder einer Gruppe aufgrund eigener Erfahrungen. Das Erreichen eines neuen sozialen Umfelds wird oft durch die Worte ‚Sei stolz, du hast es geschafft. Wir begrüßen dich herzlich!‘ honoriert. Der Betroffene lernt und entdeckt, was anderen geholfen hat, und beginnt, über die eigene Situation zu reflektieren. Diese Erfahrung bewirkt eine Veränderung in den Betroffenen. Gewiss kann das Artikulieren von Befindlichkeiten oftmals dazu beitragen, dass vieles klarer wird. Durch das Erleben der eigenen Person in der Gruppe und das Erhalten von Rückmeldungen kann dies für viele Menschen eine bedeutende Bereicherung darstellen.
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